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erstellt am 12.07.2009
Kategorie Stadtleben

Abrechnung Teil I - Negatives

Die Analyse ist gut als Werkzeug der Aufklärung und der Zivilisation, gut, insofern sie dumme Überzeugungen erschüttert, natürliche Vorurteile auflöst und die Autorität unterwühlt, gut, mit anderen Worten, indem sie befreit, verfeinert, vermenschlicht und Menschen reif macht für die Freiheit. Sie ist schlecht, sehr schlecht, insofern sie die Tat verhindert, das Leben an den Wurzeln schädigt, unfähig es zu gestalten. - Herr Settembrini erklärt die Welt - aus Thomas Manns "Der Zauberberg"

Zuerst wollte ich ja so richtig los schimpfen, besonders London als nicht lebenswerte Stadt (StAaadt der SÜÜnde!) ächten und mich auch sonst ein wenig bedauern. Ich habe aber gemerkt, dass meine schwarz-weiß Malerei auch hier mal wieder nicht so ganz funktioniert oder zumindest dann nicht wenn man meine Polemisierungkunst voraussetzt. Meine Ankündigung zum Thema ist ja schon etwas her, heute gibts also erst einmal den Contrateil. Ich musste es aufteilen. Schreiben ist definitiv nicht meine Stärke.

LUFTHOLEN...

  1. Natur
    Gibt es in London nicht. Die Parks und Grünfleckchen in der Innenstadt sind so erholsam, wie eine Fahrt im Nachtzug. Die Größeren, wie Hampstead Heath, sind vor allem am Wochenende so überlaufen, dass das Verhältnis von Baum zu Mensch gerade so als ausgewogen gelten kann. Ansonsten verstehen die Engländer noch besser als Deutsche, alles zu betonnieren wo Natur entstehen könnte.

  2. Verkehr
    Viel zu viel. Immer. Überall. Dazu ein öffentliches Verkehrsnetz das einem die Schweiß auf die Stirn treibt, auch bei Temperaturen unter 10 °C. Was sich die Tube so an Belüftungskomfort leistet ist stickige, warme und hoch toxische "Luft" mit großen Ventilatoren in Bewegung zu halten. So hat man wenigstens das Gefühl am Schweiß 10000 anderer Menschen teilgenommen zu haben, atmen kann man trotzdem nicht (zur rush hour zeit schon mal 43°C!). Ansonsten würde ich den Underground eher als einen Viehtransport bezeichnen, als ein zeitgemässes modernes Transportmittel. Kämpfe um freiwerdende Sitzplätze (ja die soll es geben) sind blutig und werden nie einer Oma überlassen. Ach ja, Fahrrad fahren sollte man hier maximal mit Helm, Mundschutz und abgestumpften Selbstschutzmechanismus.

  3. Kultur
    ist gleich Entertainment will ich SCHREIEN! SCHREIEN wie all die Kritiker, die mittelmäßige Hollywoodkost und nahezu jedes Musical als "Billiant!", "EPIC" oder "Breathtaking" hochjubeln. Kultur, die in diesem Land mindestens 4 von 5 Sternen bekommt. Kultur die auf Masse und Showeffekt setzt. Gut, das kleingedruckte verrät zwar auch das die SUN oder DAILY MIRROR nicht die allerhöhsten Ansprüche vertritt, aber muss ich mich deswegen denn anschreien lassen? Kultur ist hier etwas zum verkaufen und kann sich wegen der hohen Lebenserhaltungskosten wie es scheint auch nur halten, wenn ordentlich übertrieben wird.

  4. Umgangston
    Freundlicher sollen die Engländer doch sein, oder? Ja stimmt, wird der Reisende sagen, aber nicht in London. London ist nicht freundlich, London ist nicht England. Zwar sagt einem hier keiner seine wirkliche Meinung (polite so polite), so richtig konkretes kommt aber nicht dabei heraus (wie bei diesem Abschnitt).

  5. Geld
    Gut London ist teuer. Daran muss man sich gewöhnen. Aber was bedeutet teuer sein für eine Stadt? Es bedeutet Verwertungszwang. Und der bedeutet massenkompatibel zu sein. Und es bedeutet Einschränkung. Leben auf kleinem Raum. Und arbeiten. Immer dieses arbeiten.

  6. Glamour
    Nirgendwo gibt es so viele Styler wie hier. Immer schön auf den nächsten Trend warten! Und dann kaufen. Schnell! Schnell! Nichts selber entscheiden. Die Modeindustrie sagt, was wir anzuziehen haben. Die Makeupindustrie und plastische Chirurgie wie wir auszusehen haben. Nur was Dinge die etwas kosten sind schön. Ungeschminkt ist einfach zu billig.

  7. ***Platzhalter***
    Bitte mit zufälligen, stressbedingten Beschimpfungen füllen.

Puh, das soll erstmal reichen. Im nächsten Teil gibt es die Vorteile der Stadt. Kommt mir aber gerade so vor als wären dass doch weniger als...
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