Wenn mir etwas noch nach 1 1/2 Jahren die Hochgefühle der Faszination entlockt, dann gehört es hier aufgeschrieben. Emotionale Wallungen habe ich zum Beispiel bei dem Gedanken an Martin Heideggers Werk Sein und Zeit, das einen großen Einfluss auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts hatte. Der Singsang von Wortwiederholungen und -neuschöpfungen war für mich nicht nur während dem Seminar beeindruckend, sondern kommt mir während U-Bahn Fahrten immer wieder in den Kopf. Eine besonders schöne Stelle im Buch (bei der ich außerdem denke, dass ich sie verstanden habe ;D) über Verstehen, Rede, Gerede und Zweideutigkeit möchte ich im Folgenden zitieren. Dazu gibt es ein paar Erläuterungen von mir, um diese Prosa ohne Vorkenntnis verstehen zu können.
Rede und Gerede
Heidegger meint in diesem Abschnitt, das sobald wir etwas aussprechen (aber auch schreiben und jemand anderes es liest), es durch die Sprache selbst den Bezug zum eigentlichen Gegenstand des besprochen verlieren kann. Teilt mir ein Busfahrer mit, warum er dies oder das lässt oder jenes tut, werde ich ihn zwar verstehen, aber unter Umständen keinen wirklichen (echten) Bezug zum Beredeten finden, weil er mir Dinge mitteilt, die mir vielleicht nicht wichtig sind oder ich mich nur oberflächlich damit befasse. Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als mit meinen allgemeinen Verständnis der Sache mit ihm zu kommunizieren. Das Gespräch wird auf dieser wechselseitigen Allgemeinheit verbleiben, da der jeweils andere die Sache um die es geht nur durch sein allgemeines Verständnis versteht. Dies kann dazu führen, dass sich das Beredete vollständig vom "eigentlichen Sein" des Beredeten Gegenstandes loslöst. Dies führt Heidegger zu einem neuen Problem der Zweideutigkeit: Sind wir in Gesellschaft mit anderen (Miteinandersein), sind wir der Schwierigkeit ausgesetzt, zwischen wirklich verstandenen (Rede, Bezug zum "Sein" des Gegenstandes) und nicht verstandenen (Gerede) nicht unterscheiden zu können. Es ist nicht mehr festzustellen, ob wir es im Alltag mit wirklich verstandenen (Erschlossenen) oder nur den Geredeten zu tun haben:
Zweideutigkeit
Die Zweideutigkeit ist nach Heidegger also nicht etwas was absichtlich geschieht. Es ist vielmehr so, dass wir, sobald wir mit "Anderen" sind, notwendigerweise ihrem Verständnis des Ausgesprochenen ausgeliefert sind. Da auch diese anderen Menschen (oder wie Heidegger sagt: Dasein) auch nicht mehr wissen, was sie wirklich erschlossen haben, können wir auch nicht mehr sicher sein, ob das Beredete nun Gerede ist oder Rede. Dagegen können wir, so Heidegger, nichts tun. Die Unfähigkeit etwas an diesem Umstand zu ändern bezeichnet Heidegger später als einen Teil der "Geworfenheit des Daseins".
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Rede und Gerede
Sichaussprechende Rede ist Mitteilung. Deren Seinstendenz zielt darauf, den Hörenden in die Teilnahme am erschlossenen Sein zum Beredeten der Rede zu bringen.
Gemäß der durchschnittlichen Verständlichkeit, die in der beim Sichaussprechen gesprochenen Sprache schon liegt, kann die mitgeteilte Rede weitgehend verstanden werden, ohne daß sich der Hörende in ein ursprünglich verstehendes Sein zum Worüber der Rede bringt. Man versteht nicht so sehr das beredete Seiende, sondern man hört schon nur auf das Geredete als solches. Dieses wird verstanden, das Worüber nur ungefähr, obenhin; man meint dasselbe, weil man das Gesagte gemeinsam in derselben Durchschnittlichkeit versteht.
Das Hören und Verstehen hat sich vorgängig an das Geredete als solches geklammert. Die Mitteilung »teilt« nicht den primären Seinsbezug zum beredeten Seienden, sondern das Miteinandersein bewegt sich im Miteinanderreden und Besorgen des Geredeten. [...]
Und weil das Reden den primären Seinsbezug zum beredeten Seienden verloren bzw. nie gewonnen hat, teilt es sich nicht mit in der Weise der ursprünglichen Zueignung dieses Seienden, sondern auf dem Wege des Weiter- und Nachredens. Das Geredete als solches zieht weitere Kreise und übernimmt autoritativen Charakter. (Sein und Zeit §35. Das Gerede)
Heidegger meint in diesem Abschnitt, das sobald wir etwas aussprechen (aber auch schreiben und jemand anderes es liest), es durch die Sprache selbst den Bezug zum eigentlichen Gegenstand des besprochen verlieren kann. Teilt mir ein Busfahrer mit, warum er dies oder das lässt oder jenes tut, werde ich ihn zwar verstehen, aber unter Umständen keinen wirklichen (echten) Bezug zum Beredeten finden, weil er mir Dinge mitteilt, die mir vielleicht nicht wichtig sind oder ich mich nur oberflächlich damit befasse. Mir bleibt dann nichts anderes übrig, als mit meinen allgemeinen Verständnis der Sache mit ihm zu kommunizieren. Das Gespräch wird auf dieser wechselseitigen Allgemeinheit verbleiben, da der jeweils andere die Sache um die es geht nur durch sein allgemeines Verständnis versteht. Dies kann dazu führen, dass sich das Beredete vollständig vom "eigentlichen Sein" des Beredeten Gegenstandes loslöst. Dies führt Heidegger zu einem neuen Problem der Zweideutigkeit: Sind wir in Gesellschaft mit anderen (Miteinandersein), sind wir der Schwierigkeit ausgesetzt, zwischen wirklich verstandenen (Rede, Bezug zum "Sein" des Gegenstandes) und nicht verstandenen (Gerede) nicht unterscheiden zu können. Es ist nicht mehr festzustellen, ob wir es im Alltag mit wirklich verstandenen (Erschlossenen) oder nur den Geredeten zu tun haben:
Zweideutigkeit
Wenn im alltäglichen Miteinandersein dergleichen begegnet, was jedem zugänglich ist und worüber jeder jedes sagen kann, wird bald nicht mehr entscheidbar, was in echtem Verstehen erschlossen ist und was nicht. Diese Zweideutigkeit erstreckt sich nicht allein auf die Welt, sondern ebensosehr auf das Miteinandersein als solches, sogar auf das Sein des Daseins zu ihm selbst. [...]
Dabei ist zu beachten, daß die Zweideutigkeit gar nicht erst einer ausdrücklichen Absicht auf Verstellung und Verdrehung entspringt, daß sie nicht vom einzelnen Dasein erst hervorgerufen wird. Sie liegt schon im Miteinandersein als dem geworfenen Miteinandersein in einer Welt. (Sein und Zeit §37. Die Zweideutigkeit)
Die Zweideutigkeit ist nach Heidegger also nicht etwas was absichtlich geschieht. Es ist vielmehr so, dass wir, sobald wir mit "Anderen" sind, notwendigerweise ihrem Verständnis des Ausgesprochenen ausgeliefert sind. Da auch diese anderen Menschen (oder wie Heidegger sagt: Dasein) auch nicht mehr wissen, was sie wirklich erschlossen haben, können wir auch nicht mehr sicher sein, ob das Beredete nun Gerede ist oder Rede. Dagegen können wir, so Heidegger, nichts tun. Die Unfähigkeit etwas an diesem Umstand zu ändern bezeichnet Heidegger später als einen Teil der "Geworfenheit des Daseins".
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