erstellt am 03.08.2009
Kategorie
Die Gedanken sind frei
Herrn Dill den Rike schon kurz zitiert hat ...
möchte ich hier mal ein bisschen länger zitieren (wer hätte das gedacht) und das nicht nur, weil ich das was er sagt interessant finde, sondern ein so herrlich unernstes Interview ist. Also was denn nun mit Frauen und Philosophie? Wo sind die geblieben? Steigen wir mal mitten drin ein:
Alexander Dill wahrscheinlich mit seiner Sophia und Kindern
Aus "Der Blaue Reiter - Philosophie im Gespräch"
Kommentar von egon
Alexander Dill wahrscheinlich mit seiner Sophia und KindernWie kann denn ein [paradoxer] Dialog noch konstruktiv sein? Ist er nicht vielmehr sinnlos?
Dialog soll nicht konstruktiv sein. Das, was sich konstruktiv nennt, ist die Verhärtung von männlichen Denk- und Machtstrukturen. Es ist die Folge einer männlichen Lebensangst, deren Resultat die sogenannte Erkenntnis ist. [...]
Bisher wurde Philosophie immer mit der "Liebe zur Weisheit beziehungsweise Wahrheit" übersetzt. Allerdings hatte Sophia bei den Vorsokratikern vielmehr die Bedeutung eines Abwesenden oder, sagen wir genauer, EINER Abwesenden. [...]
Ist des überhaupt sinnvoll, nach Wahrheit zu streben? Was haben wir damit gewonnen? Philosophie ist die Liebe zu einer nicht vorhandenen FRAU, namens Sophia. Bevor wir die Sophia durch Wahrheit oder gar Weisheit ersetzen, sollten wir uns darüber wundern, dass bisher nur MÄNNER diesen Titel für sich beanspruchen. Frauen behelfen sich mit den Diotimas (oh hier eine Kleine Referenz zu Robert Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften", einfach mal so) aus der Philosophiegeschichte und und führen nur einen männlichen Diskurs fort. Sie philosophieren ausdrücklich nicht als Frauen, sondern als "Menschen" oder "Subjekte", aus Rollen heraus, die ihrerseits vollständig von der männlichen Philosophie vorgegeben wurden. Sprich: Es gibt bisher keine weibliche Philosophie. Und wenn es sie gäbe, bestünde sie in der Auflösung der Philosophie, die nichts weiter ist, als eine im besten Fall selbstreflektive Tätigkeit des Mannes.Sie ist eine in Frage stellende Anmaßung, solange sie sich allgemein gibt. Sie ist aber auch eine große Chance, denn in keiner Wissenschaft erfahren wir mehr über den Mann, sein Denken,seine unterdrückten Gefühle und Ängste.
Warum fehlt dem Philosophen die Frau? Wofür steht die Frau?
Für das Abwesende, für das Fremde, dem "mann" nicht näher kommen kann. Das andere ist aus anthropologischer Sicht für den Mann die Frau. [...] Die Philosophie, die ja die abwesende Frau sucht, ist eine resignative Reaktion auf diese Abwesenheit: Vielleicht ist die Frau unauffinbar. Die Konsequenz heißt dann Homosexualität. [...]
Ist Philosophie eine Therapie?
Wenn man damit meint, dass man sein Leben als Mann bewusst begleitet, dann kann sie eine Therapie sein.
Aus "Der Blaue Reiter - Philosophie im Gespräch"
1 Kommentar
Schreibe einen Kommentar
05.08.2009, 16:11
Kommentar von egon
aber warum heißt es dann nicht "der" philosophie?















