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erstellt am 08.04.2009
Kategorie Die Gedanken sind frei

Mehr Physik wagen

Wenn Sie in diesem Interview wirklich ueber Physik reden wuerden, dann haette ich mich wohl spaetestens jetzt fuer ein anderes Studium entschieden. Denn schoensten Teil hier:

Klein (Interviewer, Anm.): Welche Gefühle haben Sie heute beim Nachdenken über die Natur?

Weinberg (Biophysiker, Anm.): Ein Empfinden von Schönheit, des Staunens und eines Mysteriums. Denn wie weit auch immer wir kommen werden auf der Suche nach einer letztgültigen Theorie, so werden wir doch nie erfahren, warum die Naturgesetze so sind, wie sie sind. Ein Geheimnis wird immer bleiben.

Klein: Viele Menschen, auch manche Ihrer Kollegen, nennen es Gott.

Weinberg: Ich nicht.

Klein: Warum nicht?

Weinberg: Weil der Respekt vor unserer Geschichte es mir verbietet. Das Wort "Gott" hatte jahrhundertelang im Westen eine ziemlich scharf umrissene Bedeutung: Es meinte ein in bestimmter Weise persönliches Wesen, einen Schöpfer, der sich mit Fragen von Gut und Böse befasst. An einen solchen Gott glaube ich nicht. Wenn nun Einstein einen kosmischen Geist von Schönheit und Harmonie "Gott" nennt, so verleiht er diesem Begriff eine ganz neue Bedeutung. Mir scheint, er tut einem bewährten Wort Gewalt an. Schließlich erfüllt mich das Nachdenken über die Natur auch nicht annähernd mit den Emotionen, die ich gegenüber einem persönlichen Gott hätte. Die Naturgesetze sind unpersönlich, sie interessieren sich nicht für uns. Wie könnte ich für sie warme Gefühle wie für einen anderen Menschen oder selbst für meine Siamkatze hegen?

Klein: Ihr Buch "Die ersten drei Minuten", in dem Sie das Standardmodell erklären, endet mit einem berühmten Satz: "Je begreiflicher uns das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns auch." Was meinten Sie damit?

Weinberg: Dass wir nichts finden, was unserem Leben einen objektiven Sinn verleiht. Denn in den Naturgesetzen ist nichts erkennbar, was uns eine besondere Stellung im Universum verleiht. Dies bedeutet nicht, dass ich mein Leben sinnlos finde. Wir können einander lieben und versuchen, die Welt zu verstehen. Doch diesen Sinn müssen wir unserem Leben selbst geben. Vielleicht erinnern Sie sich, dass auf den von Ihnen genannten Satz noch einer folgt: "Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von tragischer Würde."

Klein: Wieso tragisch?

Weinberg: Tragisch, gemessen an dem, was man einst glaubte. Die Menschen hielten sich selbst für Figuren in einem kosmischen Drama: Wir wurden geschaffen, haben gesündigt, werden erlöst – eine ganz große Geschichte. Nun merken wir, dass wir eher wie Schauspieler sind, die ohne Regieanweisung auf einer Bühne herumstehen, und dass uns nichts anderes übrig bleibt, als hier ein bisschen Drama, dort ein wenig Komödie zu improvisieren. Ich empfinde dies als einen Verlust.
Soziales Dings
3 Kommentare
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09.04.2009, 10:42
Kommentar von egon
wo hast du diesen artikel her?
gefällt mir
09.04.2009, 10:54
Kommentar von xn
ist verlinkt im artikel. aber hier fuer dich:
http://www.zeit.de/2009/15/Klein-Weinberg-15?page=all
09.04.2009, 11:02
Kommentar von eg
ahso, da oben ganz versteckt.
dat sieht doch kein mensch
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